Die Luminale 2018 brachte zahlreiche Neuheiten: ein neues Logo, ein neugestaltetes Programmheft, einen digitalen Ausstellungsführer, eine zentralisiertere Ausstellungsfläche. Aber was für eine Glühlampe schon immer galt, macht auch vor der Luminale kein Halt. Wo Licht ist, fällt auch Schatten… meine Tops und Flops der Luminale 2018 in der Nachlese.

Eigentlich sollte dieser Blogpost schon längst erschienen sein. Ein Festplattencrash hat jedoch das Sichten und Bearbeiten der gesammelten Luminale-Bilder verzögert. Letztendlich bin ich aber ganz froh, dass ich ein wenig Abstand von der Lichtkunst erhalten konnte und so ein wenig klarer und objektiver bewerten kann, welche Eindrücke die sieben Tagen Luminale-Erinnerung geprägt haben.

Die Top-5-Flops

5. Hinweise, Werbung, Anleitungen im Fotobereich des eigentlichen Kunstwerks

Es ist doch eigentlich offensichtlich. Besucher möchten gerne ihre Luminale-Erinnerungen mittels Foto festhalten. Welch schönere Hommage an den Künstler gibt es eigentlich? Aber warum müssen die Kunstwerke mit Hinweisschildern, Hashtags, Anweisungen und Werbung ausgestattet sein? Das ist nicht nur äußerst unästhetisch, sondern eigentlich dem eigenen Kunstwerk gegenüber auch respektlos. Dennoch häufig gesehen…

4. Das Kunstwerk „Building Bridges“

Die in Disney-Schrifttype verfassten LED-Botschaften, die Weltreligionen entnommen wurden, sind nicht nur äußerst klischeehaft dargestellt, sie entwerten sich noch selbst durch den Ausstellungsort. Vor der Frankfurt School of Finance and Management platziert, finden die Buchstaben einen Ort, dessen Klientelbranche nicht gerade für humananistisch-ethische Handlungsweisen bekannt ist. Manchmal kommt zu Unvermögen noch Pech hinzu. Vor meinem Besuch hatten Diebe die losen Steckerleisten gestohlen, so dass zwei der drei Exponate nicht beleuchtet waren.

3. Fehlinformationen über Exponate
Farbenprächtiger Sonnenuntergang zur Luminale
Alle Jahre wieder strapaziert es die Nerven eines jeden Luminale-Besuchers. Die Fehlinformationen im Luminale-Katalog locken Besucher an Orte, die zu gewissen Zeitpunkten entweder keine Öffnungs- oder Betriebszeit haben bzw. Tage später erst öffnen. Warum ist das eigentlich so schwer, diese Informationen – gerade im digitalen Ausstellungsführer – aktuell und korrekt zu halten?

2. Das Kunstwerk „Windbeutel“

Plastiktüten über grünen, halb verschmorten grün-gefärbten Theaterspots. So stellte sich für mich das Exponat „Windbeutel“ da. Laut Ausstellungskatalog soll es „ein leises knisterndes Wunder der Schwerelosigkeit“ sein. Für mich war es grün angestrahlter Plastikabfall. Nicht mehr und nicht weniger. Sorry, aber das Werk konnte nicht ansatzweise überzeugen.

1. Der Luminale-Katalog

„Gut gemeint“ heißt nicht immer „gut gemacht“. Das gilt leider auch für den Luminale-Katalog. Die Kapitelaufteilung nach „Art“, „Community“, „Study“ und „Solutions“ mag zwar fachliche korrekt sein, aber die sich dadurch ergebende konfuse Nummerierung der Kunstwerke zeigt spätestens beim Blick auf die Übersichtskarten, wie unpraktisch diese Einordnung tatsächlich ist. Mit anderen Worten: diese Einordnung hat für den Ausstellungsbesucher keinerlei Mehrwert. Unter Luminale-Besuchern war der Ausstellungskatalog schon vor dem Re-launch nicht gerade als übersichtlich verschrien. Mit der neuen „Ordnung“ im Heftchen hat man tatsächlich den bestehenden Status Quo noch verschlimmbessert. Gerade für Besucher, die an sämtlichen Ausstellungstagen auf Fotojagd sind, ist der Luminale-Ausstellungsführer der größte Flop dieser Luminale. Warum denn eigentlich nicht mal alphabetisch sortiert?

Die Top-5-Tops

5. Die Installation „Underwater“

Der Main als Klanggeber. Faszinierend! Insbesondere auch weil diese Klänge zu Lichtimpulsen transformiert und wieder an den Main abgegeben wurden. Das Konzept alleine ist schon spannend genug: die Umsetzung war gleichsam ästhetisch und gelungen. Eine Herausforderung für alle Fotografierenden, die ich gerne angenommen habe.

4. Die neu eingeführten Light-Walk-Routen

Die beiden neu eingeführten Light-Walk-Routen haben wirklich Spaß gemacht. Sowohl die nördliche als auch die südliche Route boten zahlreiche Attraktionen bei gleichzeitig wirklich angenehmer Routenführung. Insofern ist die Neuausrichtung der innenstädtischen Kunstwerke schon ein guter Schritt nach vorne.

3. Das Kunstwerk „Ach, wie gut, dass niemand weiß“

Johannes Kriesches Installation „Ach, wie gut, dass niemand weiß“ hat wie kaum eine andere Installation den dafür vorgesehenen Platz so schlicht, rund und perfekt inszeniert, wie kaum ein anderes Werk der Luminale. Im Zusammenspiel mit der Projektionsinstallation „Cross Hatch“ auf der gegenüberliegenden Straßenseite an der Fassade der Europäischen Zentralbank, bot der gelbe Lichtstrohballen ein optisches Highlight in sonst äußerst grauem Stadtraum.

2. Das Kunstwerk „Helios“
Die Installation „Helios“ darf getrost und im positiven Sinne als schizophren bezeichnet werden. Brachial und raumfüllend auf der einen Seite, filigran und detailliert angeordnet auf der anderen Seite. Helios hätte mit seiner Ausstrahlung, mit dem Charisma der konzentrischen Kreise locker eine riesige Industriehalle mit Flair füllen können.

1. Das Kunstwerk „Luzenz“

Wer nicht gezielt das Brückenviertel angesteuert hat, wird wahrscheinlich nichts vom Kunstwerk „Luzenz“ gehört haben. Versteckt in den Räumlichkeiten der Boutique Ookoko präsentierten Kathrin Pohl und Paul van Laar eine Lichtinstallation aus Papier. Die simplen farbigen Lichtskulpturen im dunklen Raum boten ein reizvolles Raumgefühl. Dieses wurde durch die eingespielte Klangperformance abgerundet. Für mich eine sehr kleine, aber äußerst feine Installation und daher mein Luminale 2018-Sieger!

Das Glück der Beleuchtung hat mich auch zu dieser Luminale geküsst. 💡 Ich freue mich auf 2020!

Ihr
Daniel R. Schmidt