Statt „New York, Rio, Tokio“ widmete sich das Multitalent Götz Alsmann zuletzt einer musikalischen Triologie, die in Paris startete, in New York gipfelte und mit dem jetzt erschienen Album „In Rom“ seinen Abschluss fand. Die im einzigartigen Forum Music Village Studio entstandene Platte weckt Ur-Sehnsüchte der Deutschen.

Italien, das Land der Sonne, der lockeren und leichten Lebensart, des „Dolce Vita“, Urlaubsparadies von zahllosen deutschen Touristen. Italien ist aber auch das Heimatland der Tarantella und der Canzone, letztere darf als mediterraner Schlager verstanden werden. Nicht umsonst hat sich das Entertainment-Multitalent Götz Alsmann zum Abschluss seiner trilogischen, musikalischen Weltreise das stiefelförmige Land am Mittelmeer ausgewählt. In den weltbekannten, unter der Leitung von Ennio Morricone stehenden Forum Village Studios, die unter einer Kathadrale im Herzen Roms beheimatet sind, ist Alsmanns neues Album „In Rom“ entstanden.

Vorab: sollten Sie jetzt eine schier objektive Betrachtung dieses Albums erwarten, muss ich Sie ausnahmsweise enttäuschen. Ich bin eingefleichster Götz Alsmann-Fan. Seit den Anfangsjahren von Zimmer frei! betrachte ich ihn als ein Idol, ein Vorbild, einen Modell-Entertainer. Für mich ist er einer der wenigen verbliebenen großen Showmänner im deutschen Fernsehen. Auch musikalisch habe ich viele Werke von ihm sehr ins Herzen geschlossen. So trafen mich seine zwei letzten Alben, also quasi Werk 1 und 2 der Trilogie mitten ins Herz. Mit „In Paris“ belebte er die Chansons neu, mit „Broadway“ öffnete er das „Great American Songbook“ – und das alles mit deutschen Texten! Zwei Wochen bereits liegt nun also die letzte Platte aus der Trilogie ungeöffnet auf meinem Schreibtisch: „Im Rom“. Zeit, hinein zu hören.

Das neueste Album von Götz Alsmann „In Rom“

Als Vorbesteller von „In Rom“ bin ich in den Genuss gekommen, die Deluxe-Edition in den Händen zu halten, die aus CD und DVD besteht. Die CD (zwischenzeitlich auf Platz 18 der deutschen Albencharts) selbst enthält achtzehn Titel, die hier kurz rezensiert werden sollen.

Quando Quando Quando
★★★★☆
Wer die CD in das Abspielgerät eingelegt hat und die „Play“-Taste betätigt, bekommt ein Gespür dafür, wie es sein muss, eine Showtreppe herunterzulaufen. Transponiert auf ein Orchester heißt das, man spürt die Leidenschaft, mit der Alsmanns Orchester darauf brennt, loszuspielen. Stimmlich bewegt sich der Titel zwischen filigran und leidenschaftlich. Schließt man die Augen, wird man an einen lauen Sommerabend an der Küste entführt.

Azzurro
★★★★★
Die im Original 1968 von Adriano Celentano erschienene Canzone ist ein Sinnbild italienischen Schlagers. Während das Original einen gewissen südländischen Stolz ausstrahlt – man erinnere sich nur, wie Celentano stockesteif mit verschränkten Armen beim Singen im Fernsehen zu sehen war -, hat es Alsmann eher auf eine „Schlitzohrigkeit“ abgesehen. Der Titel ist stark interpretiert, hört sich frech, aber frei und lebendig an. Die deutsche Übersetzung ist äußerst gelungen!

Die Schönste der Erde
★★★☆☆
Aus dem Jahr 1956 stammt der Titel „La più bella del mondo“ von Marino Marini, den Götz Alsmann zum sehnsüchtigen Titel „Die Schönste der Erde“ macht. Eine jazzige Interpretation, die für meinen Begriff ein wenig zu nah ans Original geraten ist. Der lyrische Text bügelt das Manko jedoch aus.

Carina
★★★★☆
Temparamentvoll geht es bei „Carina“, im Original von Corrado Lojacono (aus 1958) zu. Man kann förmlich spüren, wie es zwischen der besungenen „Carina“ und Götz Alsmann funkt. Schön auch die gut aufbereite E-Orgel-Brücke in Mitten des Titels.

Mambo Italiano
★★★☆☆
Eigentlich ist dieser Titel kein Italienischer, sondern ein US-amerikanischer Schlager von Bob Merrill aus dem Jahre 1954. Ein Jahr später schwappte der Titel jedoch nach Italien, wo er als echte Canzone anerkannt und akzeptiert wurde. Der Mambo zieht mit, vermittelt mediterranes Flair, jedoch wirken die Übergänge zwischen den einzelnen Liedbestandteilen etwas wild und unausgegoren.

Schau Dir den Mond an
★★★☆☆
Ein Klassiker von Fred Buscaglione, der mir bereits im Original nicht gefällt. Die Interpretation von Alsmann und Band entspricht ein wenig mehr dem italienischen Musikklischee gepaart mit etwas Rhythm und Blues. Dunkel, mafiös und annehmbar.

Ciao, Ciao, Ciao
★★★★☆
Der nach Italien eingewanderte US-Sänger Johnny Ritter nahm 1959 „Ciao Ciao Ciao“ auf. Alsmann bietet eine flotte Interpretation dieses Titels, der locker-flockig leicht daher schwebt. Wie ein Expresso an einem heißen Sommertag auf der Piazza. Easy Listening, das gefällt.

Marina [Instrumental]
★★★★★
Rocco Granata (1959) mit einem Welt-Folklore-Titel, der von Alsmanns Band flott und jazzig interpretiert wird. Warum kann dieser Song nicht in Telefonwarteschleifen zu hören sein? Stark! Mehr wird nicht gespoilert…

Schau Dich nicht um
★★★☆☆
Umberto Bindi sang 1960 „Il nostro concerto“. Ein Titel, der eigentlich mehr Oper bei unfassender Dramatik als Schlager war. Eine sehnsüchtige Ballade, bei der Alsmann zeigt, was für eine feinsinnige Stimme er bietet. Eigentlich ein starker Titel, der mir subjektiv ein wenig zu italien-untypisch erscheint.

Volare

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★☆☆☆☆
„Nel blu di pinto di blu (Volare)“ von Domenico Modugno hat wahrlich jeder im Ohr. Auch, weil Musikgrößen wie Dean Martin, Peter Alexander oder die Gypsy Kings sich immer wieder an diesem Titel abarbeiteten. Auch Götz Alsmann wagt sich ran. Auf deutsch. Und das geht schief. Während das sprachlich in den Strophen akzeptabel wirkt, ist die Interpretation von „Volare“ als „ich fliege“ im Refrain wahrlich unschön. Die musikalische Interpretation scheitert meiner Ansicht nach am inflationär gebrauchten Vibraphon.

Che Bambola
★★★☆☆
Noch einmal Fred Buscaglione, dieses Mal aus dem Jahr 1955. Welch ein frecher Text – so passend auf Götz Alsmann! Sehr flott interpretiert, fast schon mit jiddischen Einflüssen durch die präsente Oboe. Nur das Ende schwächelt ein wenig.

Non Sei Felice
★★★★☆
Eine große Ballade der Anfang-60er. Ganz lieblich und mit viel Herzschmerz eingesungen. Welche reiferen Semester erinnern sich da nicht an die erste hoffnungslose Liebe im Italienurlaub?

Come Prima
★★★★★
„Come prima“ aus dem Jahr 1957 von Tony Dallara eroberte im Sturm die gesamte Musikwelt. Eine fantastische, schnell getaktete Interpretation mit einem verwaschenen, genau passenden Gesangspart von Alsmann. Nichts zu mäkeln!

Das kann der Anfang unserer Liebe sein
★☆☆☆☆
Es gibt Titel, die man einmal hört, ein zweites Mal und ein drittes Mal und einfach feststellt, dass sie einem nicht liegen. Das ist so einer. Ich kann weder der schweren Interpretation etwas abgewinnen, noch der textlichen Beklemmtheit.

Ciao, Ciao Bambina
★★★★☆
Der zweite Titel von Domenico Modugno ist eine Ballade und zeigt, wie intensiv die südländische Liebe tickt. Man leidet bei diesem Titel mit, denkt über verlorene Liebschaften nach und schwälgt in Sehnsüchten.

Der Troubadour [Instrumental]
★★★★★
Das zweite Instrumental auf dieser Platte ist nicht nur klassikbegeisterten Menschen geläufig. Es ist Giuseppe Verdis „Il trovatore“, 2. Akt. Vorhang auf und reingehört!

Caprifischer

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★★★★★
Eigentlich bereits 1943 durch Magda Hain gesungen, wird das Lied zumeist Rudi Schuricke zugeordnet. Götz Alsmann und Band nehmen diesem Titel die Trägheit und machen es flott, ohne dass die Sehnsucht schwindet. Eines der ganz starken Lieder auf dieser Platte.

Arrivederci Roma!
★★★☆☆
Renato Rascel hat diesen Titel geschrieben. Auch hier waren es andere Namen, die ihn bekannt gemacht haben: Natalino Otto, Claudio Villa und Mario Lanza. Mit diesem letzten Titel endet treffenderweise die Platte. Stimmlich zeigt sich noch einmal Alsmanns breite Vielfalt. Sehnsucht transportiert der Titel, aber auch nicht das große italienische Glück.

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Resümee: ★★★★☆ (3,6) Schon ist sie vorbei, Alsmanns musikalische Weltreise in Form einer Trilogie. Der Abschluss mit „In Rom“ ist eine grundsolide Platte, die etliche musikalische Highlights, aber auch einige Ausreißer bietet. Für meinen Begriff ist sie allerdings die Schwächste der drei Trilogie-Alben.

Positiv zu werten ist allemal, dass sie mit 18 Titeln wahrlich proper und dekadent gefüllt ist. Ebenfalls äußerst bemerkenswert ist die musikalische Bandbreite, die hier verarbeitet wurde. Für eine Stunde und vier Minuten darf vom Mittelmeer, von Gelati und gutem Essen geträumt werden. Die Ur-Sehnsüchte nach Sonne, Urlaub und Meer sind mit diesem Album definitiv getroffen. Die Interpretationen sind flott, kreativ und lebendig, die reinen Texte ein für Alsmann üblichen Ohrenschmaus.

Negativ darf gesehen werden, dass der gewünschte mediterraner Flair mit deutschen Texten an der ein oder anderen Stelle einfach klemmt und nicht zusammengeht. So gut die Texte auch sein mögen. „Volare“ ist dafür das beste Beispiel.