Zwei Jahre mussten sich die Freunde der Lichtkultur und -installationen in Geduld üben, jetzt ist die Luminale in Frankfurt zurück! Die selbst dedizierte „Biennale der Lichtkunst und Stadtgestaltung“ hebt parallel zur Messe „Light + Building“ die Bedeutung des Lichts im Stadtraum hervor. Wie jedes Jahr, ähhhh… pardon, alle zwei Jahre, kann ich es nicht lassen, auf Objektejagd zu gehen! In dieser Blogserie werde ich zur Luminale 2018 darüber schreiben.

Ich sehe es schon kommen! Ich habe ein Problem. Wie alle zwei Jahre. Wenn ich das gelbe und reichlich dick angefütterte Luminale-Programm – natürlich in seiner Retro-Print-Ausgabe – durchblättere, fühle ich die Zeit durch meine Hände rinnen. Die schummrig leuchtende Leselampe, deren schlichter Lichtkegel schon per se die Aufnahme in den gerade studierten Katalog verdient hätte, fällt auf ein weiteres Stück Lichtkunst, das ich mit einem großen blauen Kugelschreibe dick einkreise. Wie über neunzig andere Kunstwerke, die auf den diversen Prospektseiten so dick eingekreist wurden, dass sich das Papier vor enthusiastisch eingeritzten Minenstrichen kunstvoll wellt.

Die Luminale nimmt in meinem laienhaften Kunstverständnis einen besonderen Stellenwert sein. Nicht nur, weil ich die Lichtkunst als städtearchetektonisches Gestaltungsmittel der Zukunft empfinde, nein, auch weil sie ganz besonders schwierige Anforderungen an eine meiner größten Leidenschaften stellt: die Fotografie. So versteht sich auch von selbst, dass während der Luminale außerhalb meiner Arbeitszeiten und zu denen Tageszeiten, in denen es dunkel ist und die Kunstwerke aktiv strahlen, ein Telefonanruf auf mein Handy erfolglos bleiben wird. Der Fotorucksack ist gepackt, die Schuhe geschnürt und überhaupt ist Essen und Schlafen überbewertet.

Nur alleine mit einer RMV-Bahnkarte und meinem Fotorucksack werde ich jedoch zu Fuß nur einen Bruchteil der Werke in den nächsten Ausstellungstagen ansehen können. Der Druck wächst: ich fühle, dass ich vorarbeiten muss.

"Frankfurt ist nicht nur Bühne, sondern auch Gegenstand des Festivals."

Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main

Auf geht’s! Wo Schatten ist, da ist auch Licht. Und ich hoffe, dass so manches Licht etwas früher strahlt, als im Ausstellungskatalog angegeben. Ich mache mich sowohl Freitagabend als auch Samstagabend los in die Stadt, um meinen unstillbaren Durst nach Lichtkunst zu stillen. Gierig streife ich gedanklich durch den Luminale-Ausstellungskatalog und gleichzeitig mit meinem Rücksack durch die Straßen. Wie ein Planspiel, auf dem mich ein Kind als Playmobil-Figur über einen Stadtplan schleust.

Ob ich Erfolg hatte? Vielleicht! Ein wenig. Durchaus. Aber das werde ich aus Respekt vor den Künstlerinnen und Künstlern weder genau verraten, noch Fotos vorab posten. Schließlich geht die Luminale heute Abend erst los. Spoilern werde ich definitiv nicht. Da müssen Sie sich schon selber durch den frisch gefallenen Frankfurter Schnee machen.

Aber ein Gedanke treibt mich beim Blick auf die Stadt vor dem offiziellen Beginn der Luminale dann doch um, den ich in diesem Beitrag zur Beginn meiner Luminale-Blog-Serie aufgreifen möchte:

Frankfurt und die Lichtverschmutzung
Frankfurt im Dunst: deutlich zu sehen ist Lichtverschmutzung der Stadt. Braucht Frankfurt bald eine blaue Plakette?

Ich bleibe auf meiner Objektejagd auf der Alten Brücke stehen. Seit 36 Jahren kenne ich bereits diesen Blick auf die Stadt mit dieser einzigartigen, sich konstant verändernden Skyline. Es ist diesig, fast schon dunstig. Die Wettervorhersage erwartet einen deutlichen Temperatursturz mit der Prognose auf Schnee. Die Stadt hüllt sich ob der dichten Wolkendecke in eine einzigartig goldene Farbe. Die Skyline wirkt gülden, fast noch ein wenig majestätischer als sonst.

Und dann macht mich dieser Anblick etwas traurig. Denn es zeigt sehr deutlich ein essenzielles urbanes Frankfurter Problem. Die Lichtverschmutzung, die negative Auswirkungen auf Flora, Fauna und den Stadtmenschen hat. In mir gärt die Frage: braucht Frankfurt eigentlich zukünftig eine blaue Lichtplakette? Welche Lösungen wird die Stadtentwicklung im Rahmen des immer größer wachsenden Ballungsraums Rhein-Main auch auf dieses Problem finden? Wird die Lichtbiennale nicht noch ein wenig mehr Luminale-Pollution in die Stadt bringen? Oder bringt die Luminale antworten?

Ich werde es diese Woche rausfinden.

Ihr
Daniel R. Schmidt


Digitales Luminale-Programm
Wer das Programm lieber als Programmbooklet abholen mag…
Problem: Lichtverschmutzung

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