Mit fast 45 Jahren Lebensalter beschäftigt mich eine Frage immer häufiger: Wie lange passt man eigentlich noch in ein Umfeld, das jung, modern und ständig im Wandel ist? Gerade nach der Moderation der Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften U19 in Laboe schwanke ich zwischen großer Begeisterung für diese Veranstaltung und der ehrlichen Frage, ob es vielleicht irgendwann Zeit ist, loszulassen.
Letzte Woche durfte ich die Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften der U19 in Laboe moderieren. Eine Veranstaltung, auf die ich jedes Jahr aus Neue „heiß wie Frittenfett“ bin und die mir natürlich auch in diesem Jahr wieder extrem viel Spaß gemacht hat. Wer meinen LinkedIn-Post dazu gelesen hat, hat vermutlich vor allem eines mitgenommen: Begeisterung. Und ja, die war auch da. Tolle sportliche Leistungen, eine besondere Atmosphäre, ein unfassbar engagiertes Organisationsteam des Schleswig-Holsteinischen Volleyball-Verbandes und ein Publikum, das über mehrere Tage für eine friedliche, fröhliche, grandiose Stimmung sorgt. Rundum: ich falle nach der liebevoll DBM U19 abgekürzten Veranstaltung immer in einen „Post-Event-Blues“. Auch dieses Jahr.
Aber es gibt noch eine andere Seite dieser Veranstaltung. Eine, über die ich in den vergangenen Monaten immer häufiger nachgedacht habe. Ich bin 44 Jahre alt. Im kommenden März werde ich 45. Und plötzlich stelle ich mir eine Frage, die ich mir vor einigen Jahren vermutlich überhaupt nicht gestellt hätte: Passe ich eigentlich noch in dieses Umfeld?
Beach-Volleyball, Gen Z und ein Moderator, der nicht jünger wird
Beach-Volleyball hat ein bestimmtes Image, einen ganz besonderen Lifestyle. Die Sportart ist jung, modern, laut, schnell und emotional. Musik, Entertainment, Social Media und eine Sprache (damit meine ich nicht nur die Fachsprache der Sportart – sondern auch die der Gen Z), die sich ständig verändert. Und mittendrin stehe ich mit einem Mikrofon in der Hand. Ein 44-jähriger Mann, der teilweise vor Athlet:innen steht, die nicht einmal halb so alt sind wie er.
Natürlich ist Alter allein kein Qualitätskriterium. Ein guter Moderator wird nicht automatisch schlechter, nur weil er älter wird. Erfahrung kann sogar ein enormer Vorteil sein. Man hat mehr Situationen erlebt, mehr Veranstaltungen moderiert und wahrscheinlich auch ein besseres Gespür dafür entwickelt, wann man reden sollte… und wann besser nicht.
Trotzdem bleibt diese Frage.
Versteht man die Zielgruppe noch wirklich? Trifft man noch den richtigen Ton? Oder versucht man vielleicht irgendwann nur noch, so zu wirken, als würde man dazugehören?
Das sind Gedanken, die mich durchaus beschäftigen.

Die Gefahr, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen
Vielleicht kennt jeder Mensch diese Situation aus seinem beruflichen oder privaten Leben. Man macht etwas seit vielen Jahren. Man kann es. Man hat Erfahrung. Vielleicht verbindet man sogar einen Teil der eigenen Identität damit. Und genau deshalb fällt es schwer, sich irgendwann zu fragen, ob es möglicherweise Zeit wäre, loszulassen. Denn der Zeitpunkt, an dem etwas keinen Spaß mehr macht, ist einfach. Dann hört man auf. Schwieriger ist es, wenn man etwas immer noch innig liebt. Wenn man immer noch gerne auf der Bühne steht. Wenn die Energie einer Veranstaltung einen immer noch mitnimmt. Wenn man nach einem langen Tag müde in die Ferienwohnung kommt, aber gleichzeitig denkt: Das war wieder richtig gut.
Genau dann wird die Entscheidung kompliziert.
Mein ursprünglicher Gedanke war deshalb eigentlich, das Kapitel Beach-Volleyball nach der kommenden Saison für mich zu schließen. Nicht, weil ich keine Lust mehr darauf habe. Sondern vielleicht gerade deshalb, weil man aufhören sollte, solange es noch Spaß macht. Aber ist das wirklich der richtige Maßstab?
Vielleicht entscheidet nicht nur der Moderator
Die Veranstaltung in Laboe bringt mich regelmäßig wieder ins Grübeln. Denn dort sitzt eben nicht nur eine U19-Zielgruppe vor dem Center Court. Beach-Volleyball in einem Ostseebad zieht die Familien der Athlet:innen an, langjährige Fans des Evevnts und jede Menge Laufpublikum: Urlauber:innen jedes Alters, also Jugendliche, Berufstätige und Rentner:innen. Das Publikum ist bunt gemischt. Und gemeinsam mit Event-DJ Rainer Voß habe ich nach wie vor das Gefühl, dass wir genau dieses Publikum erreichen und unterhalten können.
Vielleicht ist das am Ende auch der entscheidende Punkt. Ein Moderator muss nicht zwangsläufig genauso alt sein wie die Sportler:innen. Und er muss vermutlich auch nicht jede neue Redewendung kennen oder jeden aktuellen Trend verstehen. Authentizität ist vielleicht wichtiger als der Versuch, möglichst jung zu wirken. Ich werde mit 45 vermutlich kein 19-Jähriger mehr. Überraschung. Und ehrlich gesagt wäre es vermutlich auch ziemlich unerquicklich, wenn ich es versuchen würde.
Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht.

Wann ist man eigentlich zu alt?
Natürlich könnte man die Frage auch umdrehen. Wann ist man eigentlich zu alt für eine Moderation im Beach-Volleyball? Mit 45? Mit 50? Mit 60? Oder gibt es diese Altersgrenze überhaupt nicht?
Vielleicht geht es gar nicht darum, ab welchem Alter man aufhören sollte. Vielleicht geht es vielmehr darum, ob man noch etwas zu einer Veranstaltung beitragen kann. Ob man das Publikum noch erreicht. Ob man die Atmosphäre verbessert oder ob die Veranstaltung möglicherweise ohne einen selbst besser funktionieren würde. Das sind unbequeme Fragen. Aber vermutlich sind es genau die Fragen, die man sich hin und wieder stellen sollte.
Loslassen können ist vielleicht auch eine Stärke
Loslassen bedeutet nicht automatisch, dass man gescheitert ist. Manchmal bedeutet es einfach, Platz für etwas Neues zu schaffen. Für andere Menschen. Für neue Ideen. Vielleicht auch für eine neue Generation von Moderator:innen, die ein anderes Verständnis von Entertainment mitbringen und bestimmte Zielgruppen besser erreichen.
Gerade weil ich selbst seit vielen Jahren Veranstaltungen moderiere, weiß ich, wie wertvoll Erfahrung ist. Gleichzeitig wäre es ziemlich arrogant zu glauben, dass nur die eigene Art zu moderieren die richtige sein kann. Jede Generation bringt neue Perspektiven mit. Vielleicht gehört zum Älterwerden deshalb auch die Fähigkeit, das eigene Ego gelegentlich ein wenig zurückzustellen und sich ehrlich zu fragen: Bin ich noch der Richtige für diesen Job?
Und wenn die Antwort irgendwann „Nein“ lautet, dann sollte man vermutlich auch den Mut haben, Konsequenzen daraus zu ziehen.
Ich weiß es noch nicht
Die ehrliche Antwort ist allerdings: Ich weiß noch nicht, was ich tun werde. Mein Plan war eigentlich klar. Noch eine Saison Beach-Volleyball – und dann ist Schluss. Nach Laboe 2026 bin ich mir da allerdings wieder deutlich unsicherer. Denn es macht mir einfach noch zu viel Spaß. Vielleicht ist genau das mein Problem. Oder vielleicht auch der beste Grund, noch nicht aufzuhören. Ich weiß es nicht.
Aber vielleicht muss ich die Entscheidung auch gar nicht heute treffen. Vielleicht sollte ich mir einfach weiterhin regelmäßig die Frage stellen, ob ich noch authentisch bin. Ob ich noch Freude an der Arbeit habe. Ob ich das Publikum noch erreiche. Und vor allem: ob ich noch einen positiven Beitrag zu einer Veranstaltung leisten kann.
Wenn irgendwann mehrere dieser Fragen mit „Nein“ beantwortet werden müssen, dann ist der Zeitpunkt vermutlich gekommen. Bis dahin werde ich vermutlich weiter zwischen Selbstzweifeln und Begeisterung pendeln. Und vielleicht ist das gar nicht so schlecht. Denn möglicherweise beginnt das eigentliche Problem nicht in dem Moment, in dem man älter wird. Sondern in dem Moment, in dem man aufhört, sich selbst und die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen.
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