Gleich werde ich wieder „Stolpersteine“ putzen gehen. Heute gedenkt man in Deutschland der furchtbaren Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die als Initialzündung für den Holocaust diente. Auch ich möchte gegen das Vergessen kämpfen. Gegen das Vergessen der Novemberpogrome.

In den letzten Tagen höre ich im Gespräch, in den sozialen Netzwerken, teilweise sogar in der Berichterstattung zwei Begriffe, die ich für ungeeignet als Bezeichnung für dieses furchtbare, geschichtliche Ereignis empfinde.

Allen voran das Wort „Reichskristallnacht“. Diese Bezeichnung halte ich für verharmlosend und geschmacklos. Auch wenn nur gemutmaßt werden kann, wo das Wortkonstrukt eigentlich herstammt, bezog sich dieser Terminus wohl auf die Glasscherben, die vor zerstörten Geschäften, Wohnungen, Büros und Einrichtungen von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern stammte. Das Wort kann also in keinem sauberen Sprachgebrauch Verwendung finden.

Durchgesetzt hat sich das Wortkonstrukt „Reichspogromnacht“. Ein Pogrom definiert sich laut Duden als „Ausschreitungen gegen nationale, religiöse oder ethnische Minderheiten“. Insofern ist das Wort per se treffend. Aber der Terminus „Reichspogromnacht“ schwächelt, er erscheint mir nicht ausreichend, könnte man aus ihm doch schließen, dass mit der Nacht des 9. auf den 10. November 1938 ein in sich geschlossenes Ereignis von Ausschreitungen gemeint sei.

Das ist nicht der Fall. Die Hetze, Enteignung und Verfolgung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland nahm mit dieser Nacht seinen Anfang. Es handelt sich hierbei um einen Prozess, der in der Vernichtung, in der Shoah, im Holocaust seine Katastrophe fand. Insofern fällt meine sprachliche Wahl auf den Begriff „Novemberpogrome“.