„Weihnachten wird unter’m Baum entschieden“ |
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Eine Weihnachtsglosse von Daniel Schmidt Ich verstehe diese Moralapostel nicht. Den wahren Sinn der Weihnacht wollen sie verloren sehen. Zu viel Kommerz, zu wenig Herz und an Christus erinnere sich sowieso kaum einer. Dabei sind es doch gerade wir zivilisierten Menschen, die nachdrücklich zeigen, dass der weihnachtliche Sittenverfall ein Irrglauben ist. Nein, es ist viel mehr der Transfer christlicher Traditionen in die Zweitausendzehner Jahre. Ein Beispiel. Zur Geburt Christi war es den Heiligen Drei Königen vorbehalten, die Geschenke „Gold und duftendes Harz und Myrrhe“ (NT, Matthäus 2:11) zu beschaffen. Wie „fail“ ist das denn? Auch der kleine Steppke vom Dorf weiß doch, dass wir Jesus Christus heuer nur dann gebührend huldigen können, wenn neben der X-Box und dem iPad mindestens noch ein weiteres Elektrogerät zur Aufmerksamkeitsdefizitstörung des kleinen Bruders beiträgt. Ergo ziehen wir zum jährlichen Kreuzzug aus. Dabei fallen wir nicht vor der Weihnachtskrippe in der Kirche auf die Knie (wie „retro“!), sondern erbringen die höchste Lobpreisung auf den Herrn in der Opfergabe vieler bunt bedruckter Scheinchen. Geld, welches in harten Kämpfen am Wühltisch ausgegeben wird. Bei diesen Glaubenskämpfen brilliert so manch Besitzer einer Goldkreditkarte durch den Einsatz von eisenverstärkten Handtaschen und scharf geschnitzten Regenschirmspitzen und zeigt sich seiner christlichen Werte besonders würdig. „Weihnachten wird unter’m Baum entschieden“, so betitelte eine Kette von Elektrowarenhäusern ihr Angebot und lud zum Weihnachtspilgern in über 230 kirchliche Außenstellen ein. Und dort wurde auch reichlich Segenskonsum gepredigt und gelebt. Zwar geht es uns Deutschen dank Euro-Wirtschaftskrise richtig schlecht, aber wenn es um Jesus Christus geht, lassen wir uns auch 2011 nicht lumpen und werden voraussichtlich das Vorjahresniveau (Umsatzstärke im Weihnachtseinkauf, Quelle: tagesschau.de) unserer Gaben halten können. Schließlich müssen wir alle Opfer bringen. Und was müssen wir beim Verlassen solch einer Konsumkathedrale des Christentums sehen? Ein Unwürdiger. Die Klamotten zerrissen, der Hut zerfleddert, die Bierflasche fast geleert. Dieses niedere Wesen hat nichts getan, um Jesus Christus die Ehre zu erweisen. Nicht einmal das Stück Zeitung, das seinen mageren Körper bedeckt, ist aktuell gekauft. Nein, nur der Einkaufswagen, der ein paar persönliche Dinge zusammenhält, lässt darauf schließen, dass der Mann doch irgendwie eine Beziehung zur Konsumreligion pflegt. Das verabscheuungswürdige Wesen sitzt unter einer Eiche und leert den letzten Schluck wärmenden Alkohols. Na also, denke ich: „Der hat’s doch irgendwie beherzigt. Weihnachten wird unter’m Baum entschieden“. Für diesen Mann in der frostigen Nacht vielleicht für immer. Hintergrund tagesschau.de: Weihnachtsbilanz des Einzelhandels |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 23. Dezember 2011 um 19:13 Uhr |