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Rücktritt Zwanzigers unterstreicht Krise des deutschen Fußballs

Dr. Theo Zwanziger, Noch-Chef des Deutschen Fußball-Bundes hat seinen Rücktritt erklärt. Angeblich sehe er „keine Herausforderung“ mehr in seinem Amt, so seine Begründung. Auch Nicht-Fußball-Insidern dürfte jedoch klar sein, dass Zwanziger realisiert hat, nichts mehr bewegen zu können und den Werteverfall des deutschen Fußballs nicht mehr aufhalten zu können.

Ein Blog-Kommentar von Daniel Schmidt, einem Fußball-Verdrossenen

Dr. Theo Zwanziger kapituliert. Der amtierende DFB-Chef hat seinen Rücktritt angekündigt. Er sehe „keine Herausforderung“ mehr, so der 66-jährige. Wirft man einen Blick auf den Status des deutschen Fußballs ist der wahre Grund Zwanzigers leicht zu entschlüsseln. Als Vermittler um einen sauberen, internationalen Fußball war der gelernte Jurist schon lange gescheitert. In seinem eigenen Verband steht der DFB-Boss vor Problemen, die nicht ohne „Geschmäckle“ zu lösen sein werden, wie die Steueraffäre der Schiedsrichter und die andauernden Konflikte mit Ex-Obmann Amerell und Stellvertreter Koch. Dazu kommen die unlösbaren Probleme mit der steigenden Gewaltbereitschaft deutscher Fußballfans. Der deutsche Fußball hat ein schlechtes Image wie schon lange nicht mehr.

Das kann Zwanziger nicht akzeptieren, gab er sich doch während seiner Amtszeit selbst ein Saubermann-Image und setzte sich für noble, gesellschaftlich-relevante Ziele ein. Er bezog Stellung und preschte nicht nur mit fordernden Worten nach Robert Enkes Suizid vor, sondern forderte auch mehr Gleichberechtigung vom homosexuellen Fußballern. Gleichzeitig war er ein Sportpolitiker mit hartem Regiment. In der Presse brachte ihm dies die Attribute ein, eitel und arrogant, gar beratungsresistent zu sein. Kritik, die ihm bis dato zusetzte.

Zwanziger will also nicht mehr. Was aber kommt danach? Schwere Brocken liegen vor dem zukünftigen, dem elften DFB-Präsident. Und diese werden nicht alleine mit Sportpolitik zu lösen sein. Sie sind gesellschaftliche Probleme. So unter anderem die Frage, wie Fußballdeutschland mit Gewalt im Sport umgehen will. Seit Jahren schon wird versucht, über Fanprojekte der Gewaltbereitschaft beizukommen. Mit nur teilweisem Erfolg. Die Entwicklungen der letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass das Fußballstadion vermehrt Platz für innergesellschaftliche Kämpfe und Frustabbau ist. Die dazu notwendigen Polizeieinsätze kosten den Steuerzahler Millionen im Jahr – ohne langfristigen Erfolg. „Ultras“ wüten nach wie vor durch die Stadien. Und die Leidtragenden sind die Vereine. Dynamo Dresden, zum Beispiel, die durch den DFB-Rundumschlag erste Leidtragende dieser Szene wurden. Andere Lösungsansätze kennt der DFB keine mehr.

Zurück zu Zwanziger. Auch er hat findet keinen Ansatz. Er hat sich schlichtweg an seinen guten Vorsätzen verhoben. Wer Gleichheit und Toleranz im Fußball fordert, muss eine respektvolle Basis schaffen. Diese gibt es Fußballsport schon lange nicht mehr. Die Bundesliga lebt es vor. Respekt und Anstand sind auf dem Feld nicht gefragt. Es sind Werte, die einfach keine Zuschauermassen anlocken, Einschaltquoten garantieren und Sponsoren anlocken. Emotionen und starke Bilder müssen her. Und das funktioniert nur im „Jeder gegen Jeden“. Fußballer gegen Gegenspieler, Gegenspieler gegen Schiedsrichter, Trainer gegen Funktionäre. Die Verrohung unserer Gesellschaft wird von allen Seiten angeprangert, aber im deutschen Fußball gesellschaftstauglich vorgelebt.

So verwundert es nicht, dass die Tageszeitung am Montagmorgen mindestens von einem Spielabbruch in den Kreisligen einer Region berichtet. Die Konsequenzen für die Übeltäter meist harmlos. Ein paar Spiele Sperre. Fertig. Ideen gibt es kaum welche. Überaus innovativ hingegen ist lediglich der Vorschlag des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt, auffällige und gewalttätiger Fußballer erst dann wieder zum Fußballspiel freizugeben, wenn sie einen Schiedsrichter-Kurs absolviert und einige Spiele selbst geleitet haben. Eine Entscheidung steht noch aus. Vom DFB auch hierzu keine weitere Initiative.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Zwanziger hat sich verbissen. Und zieht die Konsequenz aus der Lage des deutschen Fußballs. Zwanzigers Verlassen des DFB wirft mögliche Nachfolge in eine „Gottschalk-Diskussion“. Wer will es denn überhaupt machen? Zumindest diese Antwort lieferte Zwanziger ein paar Tage nach seiner Rücktrittserklärung gleich mit: Wolfgang Niersbach. Eine Frage werden jedoch beide Personen nicht liefern können: Quo vadis, DFB und deutscher Fußball?


Hintergrund

FAZ: DFB-Präsident Zwanziger tritt 2012 zurück


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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 11. Dezember 2011 um 18:37 Uhr
 
www.danielschmidt.com