Ganz persönlich muss ich zugeben, dass ich so meinen Kampf mit dem Weihnachtsfest in unseren Gefilden habe. In meiner Reflektion dieser Zeit finde ich – je älter ich werde – mehr und mehr Gründe dieser so fest verankerten Tradition zu entsagen.

Dieses Jahr habe ich den Mut, diese Gründe mit Ihnen zu teilen. Bitte verstehen Sie diesen Blogeintrag nicht als Absicht, Ihnen Ihr ganz persönliches Weihnachtserlebnis zu vermiesen. Das ist wirklich nicht meine Intention. Bitte sehen Sie es vielmehr als „Denkerchen“, quasi als Denkanstoß gewisse gesellschaftliche Trends und Entwicklungen zu hinterfragen.

Hier sind meine persönlichen 24 Gründe, Weihnachten zu überdenken:

  1. Weihnachten kurbelt hauptsächlich das Geschäft an
    Es ist doch nicht von der Hand zu weisen. Die weihnachtlichen Umsätze steigen von Jahr zu Jahr; statistisch geben die Deutschen so viel für Weihnachtsgeschenke aus, wie noch nie! Die Nutznießer dieser Entwicklung sind nicht wir persönlich (vielleicht höchstens, wenn uns Sächlichkeiten am Herzen liegen), sondern die Wirtschaft. Muss dieser Konsumfetisch wirklich sein?
  2. An Weihnachten wird überdurchschnittlich viel gelogen
    Eine Lehrforschungsgruppe der Frankfurter Goethe-Universität hat in soziologischen Studien nachgewiesen, dass Menschen während der Weihnachtszeit häufiger lügen als sonst. Sie dürfen also gerne reflektieren, ob die sonst so ruppigen Menschen, die plötzlich nette Worte für Sie parat haben, diese überhaupt ernst meinen!
  3. Weihnachten ist purer Stress für den Körper
    Schnell noch ein Weihnachtsgeschenk kaufen, schnell noch zur Weihnachtsfeier, schnell noch… schnell noch… schnell noch… die Weihnachtszeit ist purer körperlicher Stress. Was tun wir nicht alles, um unsere „Weihnachtsziele“ zu erreichen. Neben der gepflegten Ruppigkeit in den Tagen vor Weihnachten, ist es allgemein auch nicht verwunderlich, dass einer Studie nach während der Weihnachtszeit die Zahl der Herzinfarkte höher liegt, als außerhalb des christlichen Festes.
  4. … und purer Stress für die Seele
    Zwar ist einer Studie nach die Zahl der suizidalen Zwischenfälle an Weihnachten nicht höher als in den sogenannten „warmen Monaten“. Dennoch dürfte unbestritten sein, dass viele Menschen mental und psychisch unter Weihnachten besonders leiden. Sei es durch Tod eines geliebten Menschen, durch Trennung oder durch andere Traumata: an Weihnachten lohnt es sich also, auf seine Mitmenschen mehr Acht zu geben.
  5. „Happy-go-lucky“ als Zwang
    In diesem Kontext soll nicht unerwähnt bleiben, welches Gesicht die Verwandten ziehen, wenn man es nicht schafft, pünktlich zum Weihnachtsfest die Maske der guten Laune aufzusetzen. Wer kennt diese Killersätze nicht: „Mensch, wenigstens zu Weihnachten könntest Du mal gut drauf sein!“
  6. Gestellte Familienfotos
    Wer es tatsächlich geschafft hat, seine Familie zu überzeugen, dass „Happy-go-lucky“ einfach nicht drin ist, der muss spätestens beim gestellten Weihnachts-Familienfoto erkennen, dass er damit nicht durchkommen wird. Denn bitte schön auf dem Foto sollen doch alle lächeln und strahlen. Wenigstens für dieses eine Foto.
  7. Weihnachten ist moderner Ablasshandel
    Apropos ruppige und rücksichtslose Menschen: Weihnachten wird von vielen Menschen ausschließlich zum Stillen ihres eigenen schlechten Gewissens genutzt. Schnell eine kleine Spende hier, schnell ein kleines Mitbringsel dort, zwei Tage lang Friede-Freude-Eierkuchen und die Welt ist wieder in Ordnung. Nächstenliebe auf zwei Tage zu begrenzen und sich im Rest nach Ego und Gutdünken auszuleben,, war unter Nummer 4-10 der Zehn Gebote mit Sicherheit nicht zu verstehen.
  8. Spießbürgerlichkeit findet zu Weihnachten seinen Höhepunkt
    Oma, Opa, Mama und Papa sitzen auf der Couch und das Kind spielt mit der Flöte vor dem Weihnachtsbaum auf. Deutsche Innigkeit, Bürgerlichkeit und Spießigkeit finden zu Weihnachten ihren verstaubten Höhepunkt. Dieses Gesellschaftsbild hat der wunderbare Künstler Loriot bereits 1978 nachgezeichnet in seinem Werk „Weihnachten bei den Hoppenstedts“.
  9. Weihnachten als Legitimation zur Völlerei
    Es mag paradox klingen, dass ausgerechnet ich als übergewichtiger Mensch genau diesen Aspekt in die Diskussion einbringe, wahrscheinlich aber genau deswegen. Ist es nicht so, dass wir uns im Gehetze, es jedem Familienangehörigen Recht zu machen (nach dem Motto „Du hast doch hoffentlich Hunger mitgebracht!“), an den Weihnachtstagen unnötig mästen und vollstopfen (lassen)?
  10. Der Sinn von Weihnachten ist gänzlich verloren gegangen
    Wir häufig schüttelt man den Kopf bei Fernsehumfragen, die überfragte Bürgerinnen und Bürger zeigen, die absolut keinen blassen geschichtlich-religiösen Schimmer darüber besitzen, warum man eigentlich Weihnachten feiert. Bereits 2002 wussten – Studien nach – bereits ein Drittel der Kinder nicht mehr, worauf Weihnachten eigentlich beruht. Aktuelle Studien liegen mir nicht vor, ich gehe aber davon aus, dass sich die Zahl nicht merklich gebessert haben dürfte. Meine Erwartung ruht eher bei dem Gegenteil.
  11. Geburtstagsparty, für jemanden, an den keiner mehr glaubt?
    Es erscheint schon paradox, dass wir eher an das Weihnachtsfest an sich glauben, als an die Tatsache, dass sich Christi Geburt tatsächlich so abgespielt hat. Gerade 41 Prozent – einer Studie nach – halten Christi Geburt für den ausschlaggebenden Grund des Weihnachtsfestes.  Zudem bleibt die Frage offen, welche Rolle Glauben und Religion überhaupt noch in der Weihnachtszeit spielen…
  12. Wir schenken nicht denen, die es am Dringendsten nötig hätten
    Würden wir alle eine humanistische Lebensphilosophie verfolgen, dann würden wir nicht Geschenke denjenigen geben, die alles haben, sondern ausschließlich diejenigen beschenken, die gar nichts haben. Die Ärmsten der Armen. Hand auf’s Herz! Gehen Sie Heilig Abend durch die Straßen und beschenken beispielsweise Straßenkinder oder Obdachlose?
  13. Wir geben uns mit Menschen ab, mit denen wir uns normalerweise ungern umgeben
    Die Bigotterie von uns Allen findet in der Weihnachtszeit seinen Höhepunkt. Egal ob Familien- oder betriebliche Weihnachtsfeier. Plötzlich umgeben wir uns mit Menschen, mit denen wir uns überhaupt nicht gerne umgeben. Aber an Weihnachten schaffen wir das Kunststück (oder die pure Lüge), plötzlich auch noch gut mit ihnen auszukommen. Wir fühlen uns quasi moralisch verpflichtet, eine virtuelle Friedenspfeife zu rauchen.
  14. Wie ich Dir, so Du mir
    Wehe man schenkt jemandem nichts, der einem ein Präsent gemacht hat. Sie können sich auf ein Beleidigtsein einstellen, das mindestens bis ins neue Jahr reichen wird.
  15. Vom christlichen Fest zur Kitschkultur
    Natürlich macht auch der Konsum vor dem Zurschaustellen von angeblichen Weihnachtstraditionen nicht halt. Man sieht sie immer öfter: Häuser, die beleuchtet sind wie eine Flughafen-Startbahn. Grelle Laserspots, LED-Leuchten überall und überdimensionierte Rentiere, Weihnachtsmänner und blinkende Sterne. Die Industrie macht uns weis, dass das zu einem stimmungsvollen Weihnachtsfest dazugehört. Gekauft und konsumiert wird’s augenscheinlich.
  16. Das Fest der Liebe zum Stromverbrauch und zum Abfall
    Das Handelsblatt hat bereits 2014 darauf hingewiesen, dass Weihnachten auch das Fest des sorglosen Umgangs mit Ressourcen ist. Hausmüll und Energieverbrauch wachsen während der Weihnachtsfeiertage rasant an. Insgesamt rund zehn Prozent mehr Abfälle als im Jahresdurchschnitt produzieren die Deutschen zwischen Weihnachten und Neujahr. Insgesamt verbrauchen die deutschen Haushalte zudem rund ein Drittel mehr Energie als an gewöhnlichen Wintertagen.
  17. Das Fest der Liebe zum Zanken und Konflikte austragen
    41 Prozent der Deutschen streiten sich zu Weihnachten, mal wieder einer Studie nach. Warum auch nicht? Konfliktpotenzial gibt es genug, blickt man auf die bislang genannten Punkte. Hauptstreitpunkte sind übrigens die Finanzen… wie immer: bei Geld hört die Liebe oder die Freundschaft auf.
  18. Weihnachten hat seine Ritualfunktion verloren
    Der Mensch braucht Rituale. Sie geben seinem Leben Struktur. Weihnachten nahm lange Zeit die Rolle ein, die eigene Besinnlichkeit, die Selbstreflektion und Nächstenliebe zu leben und sich zu diesen Werten zu bekennen. Stellen Sie sich für dreißig Minuten in ein vorweihnachtliches Kaufhaus und sie erkennen, dass davon nichts mehr zu spüren ist.
  19. Wo bleibt das Selbstgemachte?
    Als ich noch Kind war, schenkte ich viel Selbstgemachtes. Egal, ob im Kindergarten, im Hort oder teilweise auch in den frühen Klassen des Gymnasiums. Was habe ich dort alles Selbstgemacht und meinen Eltern geschenkt! Mittlerweile will angeblich nur noch jeder Zehnte etwas Selbstgemachtes bekommen (leider liegt mir keine zuverlässige Quelle für diese Zahl vor). Aber zählt Herz nicht mehr?
  20. Der Konsumgott schreit früh
    Der Hochsommer ist vorbei und die ersten Sonnenstrahlen werden von Wolken geschluckt, da folgt dann auch die ganz subtile Aufforderung, wieder Zimtsterne und Spekulatius zu kaufen. Bereits ab September werden wir genötigt, an riesigen Weihnachtsaufstellern und -displays zu den Kassen der Supermärkte zu stürmen. Muss das wirklich sein?
  21. Der Trend zum Weihnachtspullunder
    Und was bitte ist das für ein Nonsens, dass sich jetzt jeder einen potthässlichen Weihnachtsstrickpullunder zulegen muss? In vielen Firmen gehört das Bad-Taste-Foto mit Stick-Elchmotiven zum guten Ton. Ach so, ja. Hauptsache die Kasse klingelt.
  22. Last Christmas in Dauerschleife
    Radio ein, „Last Christmas“ zum zigsten Mal gehört, Radio aus. So geht es mir alle Jahre wieder. Warum zieht nicht ein Radiosender mal ein „normales“ Programm bis zum Jahresende durch? Warum müssen die Ohren alles Kitschige und Schnulzige ertragen?
  23. Das miese Fernsehprogramm
    Selbst wenn man sich dem Trubel entsagen wollte und den Radioausschalter bereits bis zum Anschlag eingehauen hat, wird man dennoch von dem Elektrogerät enttäuscht, dass sonst der beste Freund für Kurzweil und Dummbedröhnung ist: der Fernsehapparat. Die vielen unsäglichen Weihnachtssendungen will doch nun wirklich kein Mensch sehen! Aber gegen einen guten Terminator, Star Wars oder Indianer Jones hätten die Leute, die Weihnachtsentsagung betreiben, doch nun wirklich nichts. Welchen anderen Grund sollte es denn geben, als am Heiligen Abend einzuschalten?
  24. Menschen, die sich dem Weihnachtsrummel entziehen, gelten als asozial
    Es gibt viele Menschen, die sich in den eben genannten 23 Thesen wiedererkennen. Trotzdem spielen viele einfach das jährliche Spiel mit. Denn Menschen, die vom Weihnachtstreiben genervt sind, schlägt Unverständnis entgegen, wenn der Dezember für Sie Tage beinhaltet, die einfach wie jede anderen sind. Sie gelten als Abtrünnige, als Asoziale, als Sonderlinge, als Weihnachtsmuffel.

Auch wenn ich kein „Weihnachtsfreund“ bin, so wünsche ich Ihnen persönlich doch ganz wunderbare Weihnachten. Auf dass sie einen unschuldigeren Blick auf dieses christliche Fest behalten mögen, als ich es kann! Frohes Fest!